Wer erinnert sich noch an eine sonderbare Pressemeldung vom 2. April 2024, dass der damalige Präsident von Botswana Deutschland 20.000 Elefanten schicken wollte, um gegen die von der Bundesregierung angeblich erwogene Regulierung der Einfuhr von Jagdtrophäen, also auch jener von Elefanten, zu protestieren, da dies Armut und Wilderei in Botswana fördere und eine postkoloniale, gar rassistische Einmischung in innere Angelegenheiten des Landes sei (zum Hintergrund siehe hier →.)? Was wie ein verspäteter Aprilscherz klang, war eine ernste diplomatische Provokation der Bundesregierung, die natürlich nicht umgesetzt wurde und auch nicht umgesetzt werden konnte.
Wirklich nicht?
Das frug sich die belgische Schriftstellerin Gaea Schoeters und dachte sich zugleich: Was wäre wenn? Was wäre tatsächlich in Deutschland und Berlin los, wenn dort plötzlich 20.000 Elefanten auftauchen würden, und wie würden Regierung und Bevölkerung mit dem im wörtlichen Sinne schwerwiegenden Problem umgehen. Das Szenario war für Schoeters angesichts der aktuellen Krisen und demgegenüber offenbar wenig ausgeprägten politischen Widerstandskraft so verlockend, dass sie daraus eine herrliche Politsatire schrieb. In dem witzigen, zugleich bitter-bösen und gewissermaßen auch traurigen Buch bilden die Elefanten, die auch gegen Immigranten ausgetauscht werden könnten, gleichsam nur den Rahmen. Im Kern geht es wohl eher um den inneren Widerstreit des Menschen im Allgemeinen und von Politikern im Besonderen zwischen Aufrichtigkeit, moralischer Haltung und inneren Überzeugungen einerseits und praktischer, zielorientierter Handlungsfähigkeit andererseits. Wie weit kann ich gehen, Kompromisse eingehen, ohne mich und meine Überzeugungen nicht zu verraten? Im Buch sitzen dem Bundeskanzler, wie aktuell, vor allem die Rechtsextremisten im Nacken und alle damit verbundenen Probleme vor einer Wahl. Schoeters gibt in dem überaus lesenswerten Buch dankenswerterweise keine eindeutige, einfache Antwort, und es endet, so viel darf vorweggenommen werden, wie bei der ›Trophäe‹ nicht mit einem Happy End.
Besonders erwähnenswert ist natürlich bei einem Büchergilde Buch die besondere Gestaltung des Einbands, die, wie schon bei dem vorherigen Buch von Schoeters, ›Die Trophäe‹, den konstruierten, grotesken Aspekt der Geschichte sehr gelungen zum Ausdruck bringt.

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