Wörterbuch des Buches

Bücher über Bücher, vor allem sachlich orientierte Bücher oder Lexika, sind inzwischen Mangelware, werden kaum mehr auf dem Markt angeboten, da sich deren Herstellung für die Verlage aufgrund vermutlich ausbleibender Nachfrage nicht mehr lohnt. So ist etwa das ursprünglich von Helmut Hiller und später vom Mainzer Buchwissenschaftler Stephan Füssel weitergeführte und überaus hilfreiche, informative, handliche ›Wörterbuch des Buches‹ auch in der 7., grundlegend überarbeiteten Auflage von 2006 leider schon seit längerem vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich ist. Das gilt auch für das sehr schöne und illustrierte ›Lexikon Buch, Druck, Papier‹ von 2008 von Joachim Elias Zender und die 3., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage des 2015 von der Buchwissenschaftlerin Ursula Rautenberg herausgegebene ›Reclams Sachlexikon des Buches‹. Von allen drei Bänden gibt es allerdings noch Exemplare im Laden.

Es ist daher überaus erfreulich und verdienstvoll, wenn die Favoritenpresse Stephan Füssel davon überzeugen konnte, das ›Wörterbuch des Buches‹ zu überarbeiten und in neuem Gewand und größerem Format auf den Markt zu bringen (Füssel, Stephan: Das illustrierte Wörterbuch des Buches. Berlin: Favoritenpresse, 2026). Die Einträge zu den Sachthemen wurden zwar im Wesentlichen von der alten Auflage übernommen, das Wörterbuch wurde aber auch um einige Lemmata vielleicht um ein Drittel gekürzt: So wurden einige Beiträge über Personen (z.B. zu Aldus Manutius, die Familie Didot oder Vertreter der Buchkunstbewegung um 1900 wie Rudolf Koch und F. H. Ernst Schneidler) und Verlage (z.B. Breitkopf & Härtel oder Ullstein) sowie sämtliche Übersichtsdarstellungen respektive Tabellen etwa zu Papierformaten, zur Schriftgeschichte und -Klassifikation herausgenommen.

Dabei ist, warum die Einträge zur Officina Bodoni oder Officina Serpentis unberührt blieben, während jene über die bedeutenderen Privat-Pressen wie die Kelmscott Press oder Doves Press oder die Janus-Presse, Ernst-Ludwig-Presse oder Bremer Presse, deren Arbeit auch die Buchgestaltung der Nachkriegszeit beeinflusst hat, gestrichen wurden. Merkwürdigerweise wurde auch das Lemma ›Buchforschung‹, dem sich Füssel doch in besonderer Weise verbunden fühlen müsste, getilgt. Gekürzt wurde leider auch der Beitrag zum ›Typographischen System‹ um den Text über seine Entstehungsgeschichte.

Indes wurden auch neue Einträge hinzugenommen (z.B. Anton Hirsemann Verlag, EPUB, Orthotypografie, Reflowable Layout, Single Source Publishing) oder ältere aktualisiert (z.B. Deutsche Bücherei, Druckindustrie, Enzyklopädie, Fahrbibliotheken, Malerbücher, Laserbelichter, Internet-Buchhandel), wobei das Lemma ›Buchhandel‹, der seit einigen Jahre erheblichen Veränderungen ausgesetzt ist, nicht bearbeitet wurde.

In dem Zusammenhang und bezogen auf den Buchladen ist natürlich das Lemma ›Buchgemeinschaften‹ bemerkenswert, in dem jetzt auch auf das Ende fast aller Buchgemeinschaften hingewiesen wird und das mit dem lobenswerten Hinweis schließt, dass »als einzige B. mit traditionellem Mitgliedschaftsmodell […] nur noch die Büchergilde Gutenberg mit bibliophilen, hochwertig illustrierten Ausgaben und einer genossenschaftlichen Struktur [existiert]. Sie feierte 2024 ihr 100-jähriges Bestehen und ist auch 2026 mit eigenem Magazin und Programm präsent«.

Neu und sehr reizvoll ist auf jeden Fall die lebendige, zum Teil witzig-ironische Illustration (z.B. die Zeichnung eines Handtiegels als Drache) des Bandes durch über 20 Berliner Illustratoren und Illustratorinnen und der zweifarbige Druck, die den Band sicher für ein breiteres Publikum attraktiver machen und auch einfach nur zum Schmökern einladen. Auch die stabile, belastbare Bindung des Buches mit Fadenheftung, gerundetem Rücken und kräftigem Einband ist sehr erfreulich. Die ›Schönheit‹ des Bandes reicht sogar so weit, dass Kunden bereits dachten, er sei von der Büchergilde herausgegeben worden. Ein größeres Kompliment gibt es nicht. Schließlich lädt auch der, gemessen an Inhalt und Ausstattung, recht gemäßigte Preis von gerade einmal 28 € zum Kauf ein.

Dem Lexikon sind daher, auch aufgrund des oben skizzierten Mangels an Buch-Sachbüchern, möglichst viele Leser und Leserinnen zu wünschen, und es bleibt zu hoffen, dass dadurch auch das Buch als materielles, komplexes Medium einem jüngeren Publikum etwas näher gebracht wird.

0 Kommentare

Kommentar Schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Info zum Buch

Titel

Das illustrierte Wörterbuch des Buches

Autor

Stephan Füssel

Isbn

978-3-96849-146-2

Preis

28 €