
Was für ein rührendes, gleichsam vielsprechendes Geschenk, das eine langjährige Kundin heute dem Laden machte: Ihr erster Mitglieds-Ausweis der Büchergilde, der ihr mit 18 Jahren, also noch vor ihrer Volljährigkeit, am 1. Oktober 1965 in Mannheim ausgestellt wurde. Ihr Vater war passenderweise Buchdruckermeister und als solcher auch schon vor dem Krieg Vertrauensmann der Büchergilde, der, so die Dame, auch innerhalb seines Bekannten- und Verwandtenkreises fleißig Mitglieder gleichsam zwangsrekrutierte. Der Ausweis ist zugleich ein Zeugnis der Aufgeschlossenheit der Familie respektive des Vaters, denn auch Mitte der 60er Jahre war es noch nicht selbstverständlich, dass Töchtern der Zugang zu Bildung, denn das bedeutete eine Mitgliedschaft in der Büchergilde, gewährt wurde.
Die 1950er und 60er Jahre waren die Hochzeit der Buchgemeinschaften insgesamt und der Büchergilde im Besonderen. So erreichte die Mitgliederzahl 1964 mit etwa 300.000 ihren Höchststand, und das Programm wurde etwa um Schallplatten, Nachschlagewerke und allgemein Bücher, die sich am breiteren Publikumsgeschmack orientierten, erweitert.
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