In seinem Kommentar in der gestrigen Süddeutschen Zeitung (https://www.sueddeutsche.de/kultur/s-fischer-verlage-umzug-frankfurt-berlin-li.3499810) zum geplanten Umzug des S. Fischer Verlags nach Berlin geht Felix Stephan auch auf die Situation im Buchhandel allgemein ein und beschreibt präzise, was mit ›verändertem Kaufverhalten‹ in Bezug auf den den stationären Buchhandel gemeint ist:

»Der Umzug leistet auch dem Umstand Rechnung, dass die deutsche Buchbranche, wie sie jahrzehntelang zuverlässig funktioniert hat, in ihrer alten Form heute nur noch in Spurenelementen existiert. Lange haben Verlage Schriftsteller aufgebaut und ihre Romane und Gedichtbände veröffentlicht, die daraufhin in den Feuilletons der Print-Zeitungen besprochen und von informierten unabhängigen Buchhändlern ihren Kunden empfohlen wurden. Diese Infrastruktur ist in den vergangenen Jahren rasant geschrumpft, nur noch zwanzig Prozent seiner Bücher verkauft S. Fischer heute über den stationären Buchhandel. Das Gros aber läuft über den Quasi-Monopolisten Thalia und digitale Vertriebswege, Community-Marketing und direkte Zielgruppenansprache in den sozialen Medien.«
Das ist eine Tatsache, und gegen diese Entwicklung helfen auch keine Nostalgie- oder ›Wohlfühl‹-Bücher über Buchhandlungen und Buchhändler, sog. Bookshop Novels, die gerade in Mode sind. Aber diese Tatsache wurde nicht durch die Wirtschaft oder Tech-Konzerne oder gar irgendwelche dunklen Mächte erzwungen. Sondern der Mensch in seiner Rolle als Kunde hat sich dafür entschieden, den Verlockungen der Bequemlichkeit und vermeintlicher Zeitersparnis nachzugeben und seine Käufe mehrheitlich und zunehmend online zu erledigen. Er könnte sich auch anders entscheiden – wenn er will.
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